Informationsvorlage - 2022/IV/3145

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Beratungsfolge

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Sachverhalt:

 

Das Schiff wurde 1967 als letztes Schiff der "Nikitich"-Klasse, einer baugleichen Serie mit 21 Einheiten, auf der Leningrader Admiralswerft gebaut und nach dem Warnemünder Lotsenkommandeur Stephan Jantzen (1827–1913) benannt.

Das Schiff war seinerzeit der erste Eisbrecher der DDR und das 34. Schiff des Lotsen-, Bugsier- und Bergungsdienstes Warnemünde (VEB LBB). Am 07.12.1964 wurde die

„Stephan Jantzen“ nach Warnemünde überführt.

Im Jahr 2005 wurde das Schiffs aus dem aktiven Dienst genommen und durch das Mehrzweckschiff „Arkona“ ersetzt.

 

Seit nunmehr August 2009 liegt die „Stephan Jantzen“, bis auf ein kurzzeitiges, unfreiwilliges Liegen im Überseehafen im Jahr 2014, im Rostocker Stadthafen.

Seit dem 01.06.2018 und bis zum heutigen Tag betreibt der Verein „Technische Flotte Rostock e. V.“ nach den Eigentumsquerelen der vorangegangenen Jahre den Eisbrecher

als maritim-touristische Attraktion im Rostocker Stadthafen. Ungefähr 5.000 Besucherinnen und Besucher nutzen das Angebot zur Besichtigung des Eisbrechers jährlich. Dazu bietet der Verein an Bord geführte Touren sowie weitere gemeinnützige Angebote an.

 

Eigentümerin des Schiffes ist die Hanse- und Universitätsstadt Rostock.

 

 

 

Aufgrund des in die Jahre gekommenen Schiffes bedarf es mittelfristig einer Dockung zur Inspektion und Durchführung turnusmäßiger werfttypsicher Arbeiten, um die Voraussetzungen für ein sicheres, langfristiges Liegen im Rostocker Stadthafen zu schaffen.

 

Dazu ist durch das Hafen- und Seemannsamt die Erstellung eines Arbeitsplanes im Rahmen eines Werftaufenthaltes zum Zwecke der Ermittlung von Schätzkosten für einen langfristigen, 20-jährigen Erhalt des Schiffes beauftragt worden. In dieser Zeit besteht für das Schiff selbstverständlich weiterhin ein stetiger Unterhaltungsbedarf, der gegenwärtig durch den Betreiberverein abgesichert wird. Grundlage der während des Werftaufent-haltes auszuführenden Arbeiten ist neben den Feststellungen des besichtigenden Gutachters eine durch den Betreiberverein erarbeitete Reparaturübersichtsliste.

 

Die Ergebnisse des Berichts des Gutachters/Schifffahrtssachverständigen werden in dieser Informationsvorlage zusammengefasst dargestellt.

 

Das Schiff unterliegt durch den Verein einem aktiven Betrieb, welcher sich erst einmal grundsätzlich positiv auf den Schiffserhalt auswirkt. Gleichwohl haben das Alter des Schiffes und das Fehlen einer aktiven Bereederung mit entsprechenden z. B. Dockungsintervallen zu potentiell risikobehafteten Bereichen geführt. Dies betrifft nicht einsehbare Bereiche, die durch den Betreiberverein nicht begangen, repariert oder

saniert werden können. Hierzu zählen die Außenhaut, Teile des Schutzkleides, die Aufbauten, Masten, Seekästen, Seeventile, Koker- und Wellenlager sowie einige Tanks deren Zustand unklar ist.

 

Im Bereich der Außenhaut werden auf Grund des Schiffstyps Eisbrecher und der damit einhergehenden Plattenstärke keine oder nur geringe Schäden vermutet. Die Seekästen und insbesondere die Wasseraustrittsöffnungen werden jedoch einem hohen Verschleißgrad unterlegen sein, da Korrosionsschutzmaßnahmen der 80-er Jahre bis hin in die knappen 90-er Jahre keinen verlässlichen, langlebigen Korrosionsschutz hervorgebracht haben.

 

Der geschätzte Arbeitsumfang geht von einer äußerlichen Generalüberholung (Konservierung über und unter Wasser), dem Verschließen aller Seekästen, Blindsetzen von Tanks und dem Herstellen einer langlebigen Schwimmfähigkeit zum Erhalt des Schiffsrumpfes aus. Für den Vorführbetrieb der Dieselgeneratoren sollten im Rahmen der Dockung einzelne unabhängige Wassernebellöscher (z. B. Hi-Fog) über den Maschinen positioniert und installiert werden. Außerdem sollten die in Nutzung befindlichen elektrischen Systeme, in der Regel Licht, Kombüse, Werkstatt usw. hinsichtlich der VDR Norm (Normreihe für elektrische Sicherheit) zu überarbeiten.

 

Für den Arbeitsumfang sind einige Positionen (Beträge in brutto) beispielhaft genannt:

 

  1.                                                                                                                                                                                                     Verschleppungen (je nach Entfernung Werft)  ca.  90.000 €
  2. Planung/Bauaufsicht     ca.  50.000 €
  3. 42 Standtage in Dockhalle     ca. 150.000 €
  4. Gerüstbau/Einhausung     ca.  70.000 €
  5. Ein- und Ausdocken      ca.  20.000 €
  6. HD Waschen Schiff 500 bar     ca.  25.000 €
  7. Entsorgung Bewuchs (Standard und kontaminiert) ca.  80.000 €
  8. Strahlen Schiff komplett     ca. 290.000 €
  9. Konservierung unter & über Wasser   ca. 240.000 €
  10. Konservierungsstoffe unter & über Wasser  ca. 120.000 €
  11. Tankkonservierung      ca.    8.000 €
  12. Ultraschallmessung      ca.    6.000 €

 

Für grundlegende Arbeitsleistungen im Rahmen einer Dockung des Schiffes, wie oben benannt, werden für das Jahr 2022 Kosten i. H. v. brutto 1,4 Mio. € auf Basis aktuell marktüblicher Preise geschätzt. Da diese Maßnahme in 2022 als unrealistisch einzuschätzen ist, wurde die Kostenschätzung mit einer Preissteigerungsrate von 7% p. a. weitergeführt. Die Unwägbarkeiten einer solchen Abschätzung werden, nicht zuletzt aufgrund der aktuell sich sehr unklaren und dynamischen Situation (Energiepreise, Rohstoffpreise, Arbeitsmarkt usw.), als sehr hoch eingeschätzt.

 

Weiterhin zu berücksichtigen sind die aktuellen Unterhaltungskosten des Schiffes.

Diese betrugen im Jahr 2021 ca. 30.000 €. Davon übernimmt die HRO als Eigentümerin

des MS „Stephan Jantzen“ im Rahmen von Zuwendungen 24.000 € p. a.

Der Restbetrag wird aus Eigenmitteln des Betreibervereins bezahlt. Der Unterhalt des Schiffes wird adäquat zur Inflationsrate, insbesondere in Anlehnung an die Energiepreissteigerungen, steigen müssen.

 

Die HRO sollte sich zeitnah für oder gegen einen langfristigen Erhalt und damit Verbleib des Eisbrechers „Stephan Jantzen“ im Rostocker Stadthafen und den damit einhergehenden Eigentümerverpflichtungen positionieren und entscheiden. Alternativ bleibt mittel- bis langfristig der Versuch des Verkaufs bzw. der Entsorgung des Schiffes zum Schrottpreis.

 

Für den langfristigen Verbleib und den Erhalt des Schiffes sind für die dann notwendige Dockung finanzielle Mittel innerhalb der nächsten 5 Jahre in den Haushalt einzuplanen.

 

Es besteht zwar nicht das unmittelbare Risiko eines zufälligen Unterganges oder Totalverlustes mit Folgen für Bergung, Umweltverschmutzung etc. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Wassereintritte über nicht verschlossene Seekästen und deren weiterführenden Rohrleitungen in einem unbestimmten Zeitraum auftreten können.

 

Die letzte Dockung des Schiffes war im Jahre 2003. Das Liegen eines Stillliegers mit noch nicht verschlossenen Außenhautöffnungen sollte nicht über einen Turnus von 20 Jahren hinausgehen. Das aktuelle Schwimmfähigkeitsattest besitzt eine Gültigkeit bis zum 30.11.2024. Spätestens dann bzw. bei Veränderung bzw. Verschlechterung des Zustandes verliert das Attest seine Gültigkeit und es hat eine erneute Besichtigung zu erfolgen.

 

 

 

 

Aus Sicht des Fachamtes und des beauftragten Schifffahrtssachverständigen ist eine Dockung innerhalb der nächsten 5 Jahre zu realisieren, um neben den beschriebenen sicherheitsrelevanten Aspekten auch den äußeren Verfall an unzugänglichen Stellen der Außenhaut und der Aufbauten aufzuhalten. Hierzu wären für das Haushaltsjahr 2026 aufgrund der o. g. Preissteigerungsrate finanzielle Mittel in Höhe von ca. 1,8 Mio. € einzustellen. Aufgrund des Auftragsvolumens müssen die Leistungen gemäß vergaberechtlicher Vorgaben in einem offenen Verfahren EU-weit ausgeschrieben werden. Die tatsächlichen finalen Kosten für den Werftaufenthalt werden erst mit den dann eingehenden Angeboten konkret bestimmt werden können.

 

Der dazu notwendige politische Wille und die Legitimation soll mit einer zeitnah folgenden Beschlussvorlage durch die Mitglieder der Bürgerschaft entschieden werden.

 

 

 

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Finanzielle Auswirkungen:

 

Jährliche Zuwendungen für die Unterhaltung des Schiffes in Höhe von 24.000 €.

 

Kostenschätzung Werftaufenthalt für das Haushaltsjahr 2026:  ca. 1,8 Mio. € brutto

 

 

 

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Claus Ruhe Madsen

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Anlagen

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Beschlüsse

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Apr 27, 2022 - Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus - zur Kenntnis gegeben

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Apr 28, 2022 - Finanzausschuss - zur Kenntnis gegeben

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May 5, 2022 - Ausschuss für Stadt- und Regionalentwicklung, Umwelt und Ordnung - zur Kenntnis gegeben

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May 10, 2022 - Bau- und Planungsausschuss - zur Kenntnis gegeben

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May 12, 2022 - Ortsbeirat Stadtmitte (14) - zur Kenntnis gegeben

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Jun 22, 2022 - Bürgerschaft - zur Kenntnis gegeben