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Vorlage - 0002/06-SN  

 
 
Betreff: Prüfung der Erweiterung der Wassersportflächen der Neptunschwimmhalle Rostock
Status:öffentlichVorlage-Art:Stellungnahme
Federführend:   
Beratungsfolge:

Sachverhalt

HANSESTADT ROSTOCK

HANSESTADT ROSTOCK

Nummer

 

DER OBERBÜRGERMEISTER

0002/06-SN

 

Stellungnahme

Amt

 

40

 

Datum

zum Antrag Nr.  1217/05-A

d. Frau/Herrn/Fraktion/Ortsbeirates

09.01.2006

Barbara Cornelius (Fraktion der SPD)

Genehmigungsvermerk

 

IV, gez. Schillen

 

 

federführend

 

 

S 4

Gegenstand

beteiligt

Prüfung der Erweiterung der Wassersportflächen der Neptunschwimmhalle Rostock

 

 

 

Verteiler

Sitzungstermin

 

Bürgerschaft

01.02.2006 16:00

 

 

 

Der Beschlussvorschlag des Antrages sieht die Beauftragung des Oberbürgermeisters vor, alternativ zur Sanierung und Ertüchtigung des Außenbeckens des Hallenschwimmbades Neptun, Kopernikusstraße 17, auch den Ausbau des bisherigen Lehrschwimmbeckens (25 m) auf ein 50m-Becken im gleichen Schwimmhallenkomplex zu prüfen, um gegebenenfalls  kostengünstiger eine angestrebte Erweiterung des Angebotes  überdachter Wassersportflächen in der Hansestadt Rostock zu erreichen.

 

Im Ergebnis dieses Prüfauftrages sollen belastbare Aussagen unter anderem  zu den damit verbundenen jeweiligen Investitionskosten beider Maßnahmen und den sich jeweils daraus ergebenden Folgekosten vorliegen. Dies setzt die Erarbeitung einer Haushaltsunterlage Bau (HUB), zumindest jedoch einer baufachlich fundierten Kostenschätzung für beide Maßnahmen voraus.

 

Recherchen u. a. mit dem Bauplanungsbüro, das die Komplexplanung der Gesamtsanierung und auch die Sanierungsausführung bisher bereits realisierter Bauabschnitte des Hallenschwimmbades Neptun in den zurückliegenden Haushaltsjahren begleitet hat, haben ergeben, dass ein verlässlicher Kostenvergleich beider alternativ angefragter Maßnahmen zumindest den Charakter einer Studie erhalten muss. Die Kosten für eine solche Studie  belaufen sich je nach gewünschter Bearbeitungsschärfe auf ca. 4.000 EUR.

 

Vor Beauftragung  einer solchen Studie empfiehlt sich die Abwägung nachfolgender Sachaussagen:

 

1.      Ziel der Prüfung der Alternativen dieses  Antrages ist offensichtlich mit möglichst geringsten Investitionskosten und möglichst niedrigen Folgekosten eine Erweiterung der in der Hansestadt Rostock bestehenden Wassersportflächen und in der Folge  einen höheren Umfang bereitstellbarer Nutzungs- und Trainingszeiten zu erreichen.

 

Das Lehrschwimmbecken (25 m-Becken) ist bezüglich der Nutzungs- und Belegungszeiten auch bislang durchgängig ausgelastet. Die Nutzungszeiten erstrecken sich auf alle Wochentage, beginnen täglich ab 07:30 Uhr und enden nicht vor 21:00 Uhr. Dies betrifft die Nutzung durch den Schulsport und das Lehrschwimmen genauso wie den Gesundheits- und Seniorensport sowie den Trainingsbetrieb von Sportvereinen. Eine Erweiterung dieses Lehrschwimmbeckens auf ein 50m-Becken  würde insofern im Wesentlichen keine neuen Angebote zusätzlicher Nutzungszeiten erbringen, sondern nur den bisherigen Nutzern umfangreichere Wasserflächen mit größeren Beckenlängen zur Verfügung stellen.

 

Die Sanierung und Ertüchtigung des Außenbeckens (50m-Becken) des Hallenschwimmbades Neptun hingegen würde der Hansestadt Rostock nach ggf. erfolgter Ausführung zusätzlich zu den bislang bestehenden Wasserflächen ein weiteres 50m-Becken erbringen  und damit zusätzliche neue Angebote von Nutzungs- und Trainingszeiten unterbreiten.

 

2.      Das Gebäude, in dem sich die heutige Lehrschwimmhalle befindet, wurde als östlicher Anbau der vorhandenen weiteren 25m-Halle im Jahre 1963 mit folgenden Gebäudeabmessungen fertiggestellt:

·        Länge 39 m

·        Breite 16 m

·        Höhe 16,3 m.

 

Das Schwimmbecken hat eine Bahnlänge von 25 m, eine Beckenbreite für 4 Schwimmbahnen und eine Wassertiefe von 0,85 m – 1,15 m. Das Schwimmhallengebäude besteht aus einem Kellergeschoss mit diversen Technikräumen, den wassertechnischen Anlagen, der Tischlerei, Garagen, der eigentlichen Schwimmhalle im Erdgeschoss, einer darüber im 1. Obergeschoss befindlichen Sporthalle und einer der Schwimmhalle vorgelagerten unterkellerten Freiterrasse.

 

Die Nebenräume, wie Umkleide- und Sanitärbereiche, sind im angrenzenden Wirtschaftstrakt der weiteren 25m-Halle untergebracht. Das Gebäude wurde nicht als selbstständig zu betreibende Einheit errichtet, sondern ist Bestandteil des Schwimmhallenkomplexes „Neptun“ und nur in dieser Integration funktionsfähig.

 

Die Lehrschwimmhalle wurde ursprünglich für den obligatorischen Schulschwimmunterricht und den Nachwuchssport konzipiert und wird nach wie vor entsprechend genutzt.

 

Darüber hinaus wird die Lehrschwimmhalle durch einen hohen Nachfragebedarf des Behindertensportes, Behindertenschwimmens, Rehabilitationsschwimmens, Wassergymnastik usw. belegt.

 

An Wochenenden findet öffentliches Schwimmen für Familien mit Kleinstkindern und Schwimmen für Schwangere statt. Die über der Schwimmhalle befindliche Sporthalle weist eine große Nutzungsvielfalt aus. Neben Turnen, Gymnastik, Ballspiel, Ausgleichsgymnastik für Schwimmer, Wasserspringer, Tauchsportler und Triathleten finden Trainingszeiten von Gesellschaftstanz u. a. statt. Die Komplexität von Nutzungsumfang und Nutzungsvielfalt der Lehrschwimmhalle und aller zugehörigen Sportflächen kann insofern nicht schlechthin durch ein ersatzweises 50m-Becken kompensiert werden.

 

3.      Die Bauweise der Lehrschwimmhalle ist nicht nur bezüglich des Gebäudeensembles sondern primär bezüglich der wassertechnischen Anlagen und Betriebssysteme untrennbar mit den anderen Gebäudebestandteilen des Hallenschwimmbades Neptun vernetzt.

 

Auch ohne weiterführende baufachliche Untersuchungen besteht damit bereits vorab die Aussage, dass ein etwaiger Ausbau zu einer 50m-Halle Bauinvestitionen nach sich ziehen würde, die mit dem Neubau einer solchen Schwimmhalle vergleichbar wären.

 

Für die vollständige Sanierung des  Lehrschwimmbeckens im Bestand liegt dagegen eine Haushaltsunterlage Bau vor, die in einem 1. Bauabschnitt bereits mit einem Investitionsumfang von 1,3 Mio. EUR zu einer Generalsanierung des Beckens führt. Weitere 600.000 EUR Investitionskosten würden in einem separaten 2. Bauabschnitt zu einer Generalsanierung des Gebäudekörpers und damit zu einer abgeschlossenen vollständigen Sanierung der Lehrschwimmhalle im Bestand führen können.

 

Wäre jedoch die Investitionsbereitschaft im Rahmen und in der Höhe von Neubaukosten einer Schwimmhalle  gegeben, spräche die  Erweiterung von Wasserflächenangeboten für einen Neubau etwa in bislang mit Wasserflächen unterversorgten Wohngebieten der Hansestadt Rostock.

 

4.      Die Option auf eine gegebenenfalls auch spätere Sanierung und Ertüchtigung des Außenbeckens wurde bezüglich Realisierbarkeit und etwaiger  anfallender Kostenumfänge im Zusammenhang mit vormals angezeigten Aussichten auf die Ausgestaltung von Rettungsschwimmerweltmeisterschaften  bereits im Rahmen einer Kostenstudie geprüft. Dabei wurde die Möglichkeit der Einrichtung eines vollständig wettkampftauglichen Freibeckens mit 8 Bahnen einschließlich integrierter Wassersprunganlage mit einer Sprunghöhe bis 5 m auf dem Gelände der Freibeckenanlage im Komplex der Neptun-Schwimmhalle untersucht. Ziel der seinerzeitigen Untersuchung  war, diese Anlage einerseits für die Ausrichtung von Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen 2008 aber andererseits primär als zusätzliche Trainingsstätte, insbesondere auch während der Schließzeit des Springerbeckens in der Halle, für die Schwimmer und Wasserspringer des Bundesleistungszentrums Rostock herzurichten. Darüber hinaus wurde eine Nutzung als Freizeitsportstätte geprüft.

 

Das vorliegende Prüfergebnis sagt aus:

 

Die Errichtung eines dauerhaft nutzbaren  Freibeckens mit einem kostensparenden  System von Myrtha Pools stellt eine technisch und qualitativ gute Lösung dar. Die Materialien sind hochwertig und haben sich über Jahrzehnte weltweit bewährt. Ein besonderer ökonomischer Vorteil entsteht ggf. aus der Möglichkeit der Zweitnutzung eines bereits anderweitig aufgestellten Beckens.

 

Ein weiterer Vorteil liegt in dem hohen Vorfertigungsgrad und der daraus resultierenden hohen Genauigkeit  des Beckens  sowie einer relativ kurzen Bauzeit.

 

Die Nutzung von wesentlichen Teilen der bereits vorhandenen technischen Anlage der Wasserversorgung des Hallenschwimmbades Neptun ist möglich. Außerdem ist eine Unterbringung der Schwimmbadtechnik in den vorhandenen und angrenzenden Technikräumen des Schwimmhallenkomplexes gleichermaßen realisierbar.

 

 

Die ermittelten Gesamtkosten von ca. 1.900.000  EUR Netto beziehen sich auf eine funktionsfähige Anlage mit 50m-Wettkampfbecken mit 8 Bahnen und einer Sprunganlage bis 5 m. Sie schließen die landschaftsgärtnerische Gestaltung des gesamten Areals mit Tribünen und Grünflächen bereits ein. Die Anlage könnte so erstellt werden, dass auch eine spätere  nachträgliche Einhausung, falls gewünscht, ergänzbar wäre.

 

 

Zusammenfassend ergeben sich damit folgende Aussagen:

 

·        Für den Erhalt einer Option zugunsten der Sanierung und Ertüchtigung des Außenbeckens des Hallenbades Neptun im Sportstättenentwicklungsplan der Hansestadt Rostock sprechen durchaus bislang bereits vorliegende Prüfergebnisse.

 

·        Die Erweiterung des bisherigen Lehrschwimmbeckens zu einem 50m-Becken ist bereits ohne diesbezügliche bauspezifische Prüfaufträge als äußerst kostenintensiv erkennbar und würde insbesondere kaum zu zusätzlichen Angeboten von Nutzungs- und Trainingszeiten führen.

 

·        Der Ausbau des bisherigen Lehrschwimmbeckens zu einer standardisierten 50m-Halle lässt Kosten erwarten, die mit dem Neubau einer solchen Schwimmhalle zu vergleichen wären. Für den Fall bestehender Bereitschaft für einen solchen Investitionsumfang sollte der tatsächliche zusätzliche Neubau einer Schwimmhalle in bislang unterversorgten Wohngebieten erwogen werden.

 

·        Soweit die Sachaussagen dieser Stellungnahme weiter vertieft werden sollen, wäre die Auftragserteilung des o. g. Antrages  1217/05 – A mit der Beauftragung einer baufachlichen Studie verbunden. Dabei sind Kosten in Höhe von ca. 4.000 EUR zu erwarten.

 

 

 

 

Ida Schillen