Bürgerinformationssystem

Vorlage - 2020/IV/0866  

 
 
Betreff: Überwachungspflichtige Ingenieurbauwerke nach DIN 1076
Status:öffentlichVorlage-Art:Informationsvorlage
fed. Senator/-in:S 4, Holger Matthäus
Federführend:Amt für Verkehrsanlagen   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Stadt- und Regionalentwicklung, Umwelt und Ordnung Kenntnisnahme
28.05.2020 
Sitzung des Ausschusses für Stadt- und Regionalentwicklung, Umwelt und Ordnung zur Kenntnis gegeben   
Bau- und Planungsausschuss Kenntnisnahme
02.06.2020 
Sitzung des Bau- und Planungsausschusses zur Kenntnis gegeben   
Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus Kenntnisnahme
03.06.2020 
Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus zur Kenntnis gegeben   
Finanzausschuss Kenntnisnahme
04.06.2020 
Sitzung des Finanzausschusses zur Kenntnis gegeben   
Bürgerschaft Kenntnisnahme
17.06.2020 
Sitzung der Bürgerschaft zur Kenntnis gegeben   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Gemäß Geschäftsverteilungsplan der Stadtverwaltung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock ist das Amt für Verkehrsanlagen verantwortlich für die Planung, den Bau und die Bewirtschaftung sämtlicher Verkehrsanlagen. Diese Verantwortung schließt u.a. auch die federführende Zuständigkeit für die überwachungspflichtigen Ingenieurbauwerke mit ein.

In Analogie zu bisherigen Informationen über den baulichen Zustand sowie zur Investitionstätigkeit im Bereich anderer Verkehrsanlagen (z.B. der Straßenbeleuchtungsanlagen) wird mit der vorliegenden Informationsvorlage über die Anzahl der einzelnen Bauwerksarten, deren derzeit aktuellen Bauwerkszustand, den Entwicklungsprozess der vergangenen Jahre sowie auch über den zukünftigen Handlungsbedarf mit den daraus resultierenden personellen und finanziellen Verpflichtungen informiert. (sh. Anlage)

 


 

 

 

Claus Ruhe Madsen

 

 

 

 

 

Anlage

 

Zur Zeit (Stand 12/2019) betreut das Amt für Verkehrsanlagen folgende überwachungspflichtige Ingenieurbauwerke im Sinne der DIN 1076:

46 TBW                 9.961 m²              Fußgängerbrücken (FGB)

56 TBW               17.476 m²              Straßenbrücken (StrB)

18 TBW                 6.224 m²              Sonstige Bauwerke wie z.B. Tunnel (Sonst. BW)

31 TBW               16.946 m²              Lärmschutzwände (LSW)

43 TBW                 8.603 m²              Stützwände (Stw)

11 TBW                    667 m²              Verkehrszeichenbrücken (VZB)

          205 TBW              59.876 m²              Gesamt                                                       

Die Abkürzung TBW steht für Teilbauwerke. Bei den angegebenen Flächen handelt es sich vereinfacht betrachtet bei Brücken um Grundflächen und bei aufgehenden Bauwerken/Bauteilen um Ansichtsflächen.

 

 


 

Bauwerkszustand

Die vorgenannten 205 Teilbauwerke werden regelmäßigen Bauwerksprüfungen gem. DIN 1076 unterzogen. Im Rhythmus von 6 Jahren erfolgt eine handnahe Hauptprüfung aller Bauwerksteile. Jeweils 3 Jahre nach einer Hauptprüfung wird eine einfache Prüfung durchgeführt. Die Benotung des Bauwerkszustandes erfolgt gem. RI-EBW-PRÜF. Die Bedeutung der einzelnen Notenbereiche ist in der Anlage 1 näher erläutert.

Im Ergebnis der Bauwerksprüfungen ergibt sich eine Übersicht über den aktuellen Zustand der Ingenieur-bauwerke, welcher der Tab. 1 sowie der Abb. 1 entnommen werden kann.

 

In der Tabelle 1 sind die Zustandsnoten der einzelnen Bauwerksarten für die Jahre 2014 bis 2019 dargestellt. In der Abbildung 1 ist die Entwicklung der Zustandsnoten erkennbar. Aufgrund zahlreicher baulicher Maßnahmen an den Ingenieurbauwerken in den letzten Jahren (z.B. Tessiner Straße, Warnowallee, Stromgrabenbrücke, Petribrücke) konnte einer wesentlichen Verschlechterung vorgebeugt werden. Problematisch ist weiterhin der Bereich von Zustandsnote 3,0 und schlechter. Aus den Definitionen der Notenbereiche (Anhang 1) ergibt sich, dass für diese Bauwerke umgehender Handlungsbedarf seitens des Baulastträgers erforderlich wird. Die betroffenen Bauwerke sind i.d.R. grundhaft instand zu setzen bzw. vollständig durch einen Ersatzneubau zu ersetzen. Der Tabelle 1 ist zu entnehmen, dass es sich dabei in Summe um 4 Teilbauwerke handelt, die Holzbrücke Streuwiesenweg, die Brücke Holzhalbinsel, die Uferpromenade Holzhalbinsel und die Lärmschutzwand Arno Esch Straße. An den meisten Bauwerken sind bauliche Maßnahmen in Planung bzw. stehen unmittelbar bevor. Die LSW Arno Esch Straße wurde zwischenzeitlich bereits rückgebaut.

 

 

 

 

 

 

Entwicklung der Anzahl der Ingenieurbauwerke

 

In Abb. 2 ist die Entwicklung der Anzahl der Ingenieurbauwerke über die letzten 20 Jahre dargestellt. Infolge der wachsenden Infrastruktur wie beispielsweise der Straßenbahnnetzerweiterung Südstadt, dem Bau des Warnowtunnels einschließlich aller Anschlussbereiche, dem Neubau des ÖPNV – Verknüpfungspunktes Warne münde sowie der Erschließung neuer Wohngebiete wie des Petriviertels, Langenort, Brinckmanshöhe aber auch durch Großveranstaltungen wie die IGA 2003 sind in den letzten 20 Jahren etwa 120 zusätzliche Teilbauwerke entstanden. Setzt sich dieser Trend weiterhin fort, nimmt parallel der Bedarf an finanziellen Mitteln, die mit einer Baulastträgerschaft verbunden sind, zu.

 

Altersverteilung

In Abb. 3 wird die Altersverteilung der aktuell 205 Teilbauwerke dargestellt. Es ist deutlich ersichtlich, dass in den vergangenen 20 Jahren in Summe ca. 130 Teilbauwerke vollständig neu errichtet bzw. bestehende Ingenieurbauwerke ersetzt wurden. Derzeit sind 13 Teilbauwerke älter als 50 Jahre und 14 Teilbauwerke zwischen 40 und 50 Jahren alt. Vor dem Hintergrund, dass entsprechend der Vorgaben aus dem Innenministerium in haushalterischer Hinsicht eine Abschreibung der Ingenieurbauwerke z. B. Straßenbrücken über max. 65 Jahre erfolgt, bleibt festzustellen, dass 27 Teilbauwerke (bzw. ca. 13 % der Gesamtanzahl) ihre planmäßige Lebensdauer entweder nahezu erreicht oder bereits überschritten haben. Somit besteht auch im Hinblick auf die Altersstruktur der Ingenieurbauwerke ein hoher Finanzbedarf in den kommenden Jahren.

Hier wird insbesondere auf zahlreiche Lärmschutzwände aus Holz hingewiesen, die aufgrund ihres Alters in den nächsten Jahren instand zu setzen bzw. zu erneuern sind.

 

Straßenbrücken im Detail – Alter und Brückenklassen

Die Straßenbrücken stellen die für die Gesamtinfrastruktur und die Wirtschaft (Stichwort Schwerlaststrecken für Häfen und Werften) wichtigsten Bauwerke unter den Ingenieurbauwerken dar. Aus diesem Grund werden die Straßenbrücken hinsichtlich Alter und Tragfähigkeit nachfolgend detaillierter betrachtet.

In Abb. 4 wird die Anzahl der Straßenbrücken in Abhängigkeit der Brückenklasse dargestellt. Die Brückenklassen BK 30 und BK 30/30 decken i.d.R. nicht mehr die heutigen Anforderungen infolge aktueller Verkehrslasten ab. Das führt dazu, dass die Bauwerke für genehmigungspflichtigen Schwerlastverkehr nicht mehr nutzbar sind oder diese Bauwerke sogar in der Tragfähigkeit eingeschränkt sind und der nutzende Verkehr in der Tonnage beschränkt werden muss.

 

In Abb. 5 ist exemplarisch für die 56 Straßenbrücken aufgezeigt, welche Altersverteilung in Bezug auf die jeweiligen Brückenflächen besteht. Während in den letzten 20 Jahren vorwiegend kleinere Ingenieurbauwerke mit durchschnittlich < 300 m² pro TBW errichtet wurden, sind die Brücken im Alter zwischen 20 und 50 Jahren mit durchschnittlich > 400 m² pro TBW bis hin zu ca. 850 m² pro TBW flächenmäßig deutlich größer.

Die Abb. 4 und 5 verdeutlichen, dass aufgrund des hohen Alters, der großen Brückenflächen und der teilweise mangelnden „Leistungsfähigkeit“ der Straßenbrücken in den kommenden Jahren beträchtliche finanzielle Mittel benötigt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

In Auswertung aller v.g. Betrachtungen ergibt sich für die Ingenieurbauwerke, dass infolge der Zustandsnoten, der stetig zunehmenden Anzahl an Ingenieurbauwerken, des teilweise hohen Alters der Bauwerke sowie der stetig zunehmenden Verkehrsbelastung (Gewicht + Anzahl der Überfahrten sowie steigender Schwerlastanteil) ein steigender finanzieller Bedarf für die Unterhaltung, Wartung, Prüfung, sowie für die Planung von Maßnahmen und deren bauliche Umsetzung in den Folgejahren erforderlich wird.

 

Für die Festlegung der letztendlich baulich durchzuführenden Maßnahmen erfolgt im Vorfeld eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unter Einbeziehung aller relevanten Faktoren wie Restnutzungsdauer, Kosten, Verkehrsbedeutung, Tragfähigkeit, städtebauliche Relevanz u.v.m.

 

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand wird für den gesamten finanziellen Bedarf in den kommenden Jahren eine Summe von mindestens 5 bis 7 Mio. € jährlich benötigt, um die aktuell vorhandenen 205 Teilbauwerke auf dem derzeitigen Zustandsniveau zu halten und die kritischsten Bauwerke sukzessive zu ersetzen. Bei der Gesamtsumme handelt es sich sowohl um Investivmaßnahmen, als auch um Maßnahmen die dem laufenden Aufwand zugeordnet werden müssen.

 

 


Anhang 1 - Bedeutung der Zustandsnoten

 

gemäß der Richtlinie zur einheitlichen Erfassung, Bewertung, Aufzeichnung und Auswertung von Ergebnissen der Bauwerksprüfungen nach DIN 1076 (RI-EBW-PRÜF)

 

1,0 … 1,4              sehr guter Zustand

Die Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks sind gegeben.

Laufende Unterhaltung erforderlich.

 

1,5-1,9                            guter Zustand

Die Standsicherheit und Verkehrssicherheit des Bauwerks sind gegeben.

Die Dauerhaftigkeit mindestens einer Bauteilgruppe kann beeinträchtigt sein.

Die Dauerhaftigkeit des Bauwerks kann langfristig geringfügig beeinträchtigt werden.

Laufende Unterhaltung erforderlich.

 

2,0-2,4                            befriedigender Zustand

Die Standsicherheit und Verkehrssicherheit des Bauwerks sind gegeben.

Die Standsicherheit und/oder Dauerhaftigkeit mindestens einer Bauteilgruppe können beeinträchtigt sein.

Die Dauerhaftigkeit des Bauwerks kann langfristig beeinträchtigt werden. Eine Schadensausbreitung oder Folgeschädigung des Bauwerks, die langfristig zu erheblichen Standsicherheits- und/oder Verkehrssicherheitsbeeinträchtigungen oder erhöhtem Verschleiß führt, ist möglich.

Laufende Unterhaltung erforderlich.

Mittelfristig Instandsetzung erforderlich.

Maßnahmen zur Schadensbeseitigung oder Warnhinweise zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit können kurzfristig erforderlich werden.

 

2,5 - 2,9              ausreichender Zustand

Die Standsicherheit des Bauwerks ist gegeben.

Die Verkehrssicherheit des Bauwerks kann beeinträchtigt sein.

Die Standsicherheit und/oder Dauerhaftigkeit mindestens einer Bauteilgruppe können beeinträchtigt sein.

Die Dauerhaftigkeit des Bauwerks kann beeinträchtigt sein. Eine Schadensausbreitung oder Folgeschädigung des Bauwerks, die mittelfristig zu erheblichen Standsicherheits- und/oder Verkehrssicherheitsbeeinträchtigungen oder erhöhtem Verschleiß führt, ist dann zu erwarten.

Laufende Unterhaltung erforderlich.

Kurzfristig Instandsetzung erforderlich.

Maßnahmen zur Schadensbeseitigung oder Warnhinweise zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit können kurzfristig erforderlich sein.

 

3,0-3,4                            nicht ausreichender Zustand

Die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit des Bauwerks sind beeinträchtigt.

Die Dauerhaftigkeit des Bauwerks kann nicht mehr gegeben sein. Eine Schadensausbreitung oder Folgeschädigung kann kurzfristig dazu führen, dass die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sind.

Laufende Unterhaltung erforderlich.

Umgehende Instandsetzung erforderlich.

Maßnahmen zur Schadensbeseitigung oder Warnhinweise zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder Nutzungseinschränkungen sind umgehend erforderlich.

 

3,5-4,0                            ungenügender Zustand

Die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit des Bauwerks sind erheblich beeinträchtigt

oder nicht mehr gegeben.

Die Dauerhaftigkeit des Bauwerks kann nicht mehr gegeben sein. Eine Schadensausbreitung oder Folgeschädigung kann kurzfristig dazu führen, dass die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sind oder dass sich ein irreparabler Bauwerksverfall einstellt.

Laufende Unterhaltung erforderlich.

Umgehende Instandsetzung bzw. Erneuerung erforderlich.

Maßnahmen zur Schadensbeseitigung oder Warnhinweise zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder Nutzungseinschränkungen sind sofort erforderlich.