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Vorlage - 2017/AN/3098  

 
 
Betreff: Thomas Jäger (NPD)
Prüfauftrag: Benennung einer Straße oder eines Weges nach Carl Gustav Wilhelm Boldt
Status:öffentlichVorlage-Art:Antrag
Federführend:Sitzungsdienst Beteiligt:Büro der Präsidentin der Bürgerschaft
Beratungsfolge:
Bürgerschaft Entscheidung
11.10.2017 
Sitzung der Bürgerschaft abgelehnt   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

Die Bürgerschaft der Hanse- und Universitätsstadt Rostock fordert die Verwaltung auf, näher zu prüfen, ob in einem der Wohngebiete, die in den nächsten zehn Jahren auf Rostocker Gebiet entstehen, eine Straße oder ein Weg nach Carl Gustav Wilhelm Boldt (1853 – 1939) benannt werden kann.

 


Sachverhalt:

Carl Gustav Wilhelm Boldt kam am 14. April 1853 in Rostock als Sohn des Buchdruckers Carl Boldt (1811 – 1878) und dessen Ehefrau Wilhelmine geb. Hottmann (1814 – 1893) auf die Welt. Boldts Vater hatte sich 1841 in der Seestadt niedergelassen, zwei Jahre später das Bürgerrecht erworben und 1850 eine eigene Druckerei gegründet. Hier erlernte Carl Gustav Boldt das Handwerk. Im Anschluß an die Wander- und Militärzeit begann er 1874 im väterlichen Betrieb zu arbeiten, der seit 1875 den Titel „Hofbuchdruckerei“ trug.

 

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1878 schafften es die Söhne Gustav und Emil, das Unternehmen von einem kleinen Handwerksbetrieb hin zu einem Branchenprimus in Mecklenburg-Schwerin zu entwickeln. Zu den Markenzeichen und Standbeinen ihres unternehmerischen Schaffens gehörte ohne jeden Zweifel ein periodisches Verlagsobjekt, das ab 1881 als Allgemeiner Rostocker Anzeiger – zunächst als Sonntagsblatt – erschien und das ab Oktober 1884 unter dem Titel Rostocker Anzeiger herausgegeben wurde. Die Auflage betrug anfänglich 5000 Exemplare; im Sommer 1914 waren es 55 000.

 

Ab 1891 war Gustav Boldt alleiniger Inhaber der Firma; zwei Jahre darauf ging in dem 1887 neu erbauten Geschäftshaus am Blücherplatz die erste Rotations-Maschine Mecklenburgs in Betrieb.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg sah sich das Unternehmen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert. Doch schaffte es Boldt mit Unterstützung seines Sohnes Carl (1884 – 1968 Berlin-Dahlem), das Verlags-Imperium zu erhalten und es 1924 durch Umwandlung in eine GmbH in sicheres Fahrwasser zu führen. Anfang der dreißiger Jahre zog sich Boldt ins Privatleben zurück. Verheiratet war er seit 1882 mit Wilhelmine geb. Fick (1851 – 1916). Der Ehe entstammten drei Kinder.

 

Am 31. Oktober 1939 starb Carl Gustav Wilhelm Boldt in Alt Steinhorst. Beigesetzt wurde er in der repräsentativen Familien-Grabanlage auf dem Neuen Friedhof (Fakten aus: Antje Krause/Hans-Jürgen Mende: Neuer Friedhof Rostock. Bemerkenswerte Grabstätten, Rostock 2012, S. 23).

Boldt gehörte seinerzeit zu den prägenden Rostocker Persönlichkeiten. Sein Bekanntheitsgrad reichte weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Benennung einer Straße oder zumindest eines Weges nach Boldt ist daher aus Sicht des Antragstellers angemessen.

 


 

 


gez.

Thomas Jäger