Bürgerinformationssystem

Vorlage - 2017/AN/2991-01 (SN)  

 
 
Betreff: Bebauung im Schwanenteichpark
Status:öffentlichVorlage-Art:Stellungnahme
fed. Senator/-in:OB, Roland MethlingBezüglich:
2017/AN/2991
Federführend:Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen Beteiligt:Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft
    Amt für Stadtgrün, Naturschutz u. Landschaftspflege
Beratungsfolge:
Bürgerschaft Kenntnisnahme
13.09.2017 
Sitzung der Bürgerschaft vertagt     
11.10.2017 
Sitzung der Bürgerschaft zur Kenntnis gegeben     
Kulturausschuss Kenntnisnahme
28.09.2017 
Sitzung des Kulturausschusses zur Kenntnis gegeben   

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n
Anlagen:
Anlage 1 - Auszug Flächennutzungsplan 2009
Anlage 2 - Protokollauszug Planungs- und Gestaltungsbeirat 07.07.2017

Sachverhalt:

 

Der Verein „pro Kunsthalle“ verfolgt gemeinsam mit dem Künstler Günther Uecker das Ziel, Werke des Künstlers aus der Ausstellung „Der geschundene Mensch“ in Rostock im Rahmen einer Dauerausstellung zu präsentieren. Hierfür plant der Verein die Errichtung eines sogenannten „Ueckerkastens“ im Schwanenteichpark in Ergänzung der Nutzung der Kunsthalle (Uecker-Workshop‘ am 27.04.2017).

 

Der Ortsbeirat Reutershagen hat in seiner Ortsbeiratssitzung am 8. August 2017 über die entwickelten Ideen (u.a.) zur Einordnung eines ständigen Ausstellungsgebäudes für die vorgenannte, im Jahr 2016 präsentierte Ausstellung debattiert. Im Ergebnis dieser Debatte wurde der Antrag-Nr. 2017/AN/2991 zur Beschlussfassung durch die  Bürgerschaft eingereicht.

 

Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen:

 

Grundlage:

 

Das Vorhaben „Uecker-Kasten“ befindet sich im denkmalgeschützten Schwanenteichpark

entsprechend §2(2) Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern.

 

Die gartendenkmalpflegerische Zielstellung  für diesen Park wurde 2010 vom Landesamt für

Kultur und Denkmalpflege rechtskräftig bestätigt.

 

Gemeinsam mit dem Künstler Günther Uecker und dem Verein „pro Kunsthalle“  ist die Idee

gereift, die Exponate der Rostocker Ausstellung „Der geschundene Mensch“ sowie weitere

private Leihgaben und zusätzliche Werke des Künstlers dauerhaft in Rostock im Zusammenhang

mit der Kunsthalle zu präsentieren.

 

Erklärtes Ziel ist, für diese Dauerausstellung einen „Uecker-Kasten“ zu errichten.

 

Die bestätigte denkmalpflegerische Zielstellung schließt Baumaßnahmen im grünen

Kernbereich aus. 

 

Aus Sicht der Denkmalpflege wäre ein „Uecker-Kasten“ in Form eines Kubus, der sich behutsam

in den Randbereich des Parkes einfügt unter der Bedingung  möglich, dass er sich außerhalb der Hauptsichtachse Schwanenteich Kunsthalle und nicht im grünen Kernbereich des

Schwanenteichparkes befindet.

 

Die derzeit, favorisierte,  abgewandelte Variante (Verschiebung aus der direkten Sichtachse

Richtung Westen) auf der Wiese des Schwanenteichparkes  ist aus gartendenkmalpflegerischer

Sicht nicht genehmigungsfähig, da es sich hier um einen erheblichen Eingriff in den intakten und den Parkbereich prägenden, wertvollen Bereich des Gartendenkmals handelt.

 

Darüber hinaus befindet sich diese Variante baurechtlich im Außenbereich.

Eine Bebauung ist nur unter besonderen Ausnahmen möglich, die an dem zu begründenden

außerordentlichen öffentlichen Interesse  abgeleitet werden muss.

 

Voraussetzung wäre ebenfalls, dass das Vorhaben unmittelbar an die Städtischen Museen, hier die Kunsthalle geknüpft ist. Dies ist ebenso Voraussetzung, um funktionale Aspekte zu

verbinden und damit zu ermöglichen.

 

Unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange kann sich die Denkmalpflege den

Empfehlungen des Gestaltungsbeirates anschließen (Sitzung vom 07.07.2017):

 

In dem im Frühjahr durchgeführten „Workshop aller Planungsbeteiligten“ wurden die

Rahmenbedingungen und Aufgabenstellung für den Bau eines „Uecker-Kastens“ sehr gut

aufbereitet. Auf dieser Grundlage sollte das Planungsverfahren als konkurrierender Entwurfs-

Workshop mit mehreren Architekten in Verbindung mit Landschaftsarchitekten fortgeführt

werden. Eine geeignete unabhängige qualifizierte Jury unter Einbeziehung des Künstlers Günther Uecker sollte diesen Workshop begleiten.

 

Ziel des konkurrierenden Verfahrens ist es, für die herausragende Planungsaufgabe im

denkmalgeschützten Park in unmittelbarer Nähe zur denkmalgeschützten Kunsthalle

grundsätzlich unterschiedliche Entwurfsvarianten für den geeignetsten Standort und für eine

angemessene Architektur für die Ausstellungsexponate „Der geschundene Mensch“ zu erhalten.

 

Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft:

 

planungsrechtliche Grundlagen:

 

Der überwiegende Bereich des Schwanenteichparks befindet sich aus planungsrechtlicher Sicht im Außenbereich nach § 35 BauGB. Einzig entlang der Kuphalstraße kann straßen-begleitend ggf. von einer Lage im Innenbereich ausgegangen werden, da sich hier straßen-begleitend eine aufgelockerte Bebauung aus Solitären befindet.

Der Flächennutzungsplan aus 2009 weist für den Bereich des Schwanenteichparks eine Parkfläche – PRK.7.1 aus (siehe Anlage 1).

Für die Errichtung einer baulichen Anlage (Ueckerkasten) am aktuell beabsichtigten Standort nördlich des Schwanenteiches liegt demzufolge derzeit kein Baurecht vor.

städtebauliche Einschätzung:

Die Freiflächen des Schwanenteichparkes stellen aus städtebaulicher Sicht keine Missstände dar. Es handelt sich um eine innerstädtische Parkanlage, welche mit dem Einzeldenkmal „Kunsthalle“ über eine herausragende Bedeutung verfügt. Baulücken oder ähnliche städtebauliche Missstände liegen nicht vor.

Bauliche Anlagen, wie zum Beispiel Solitäre wie den geplanten Ueckerkasten, sind aus städtebaulicher Sicht nur in Verbindung mit der Nutzung „Kunsthalle“ und der Idee „Kunstpark“ denkbar.


Sie bedürfen neben einem außerordentlichen öffentlichen Interesse einer intensiven Prüfung und mindestens im Kernbereich des Parks zwingend der Schaffung von Baurecht in Form eines Bebauungsplanes.

Vor der Erarbeitung eines Bebauungsplans ist eine intensive Standortsuche und                     -entscheidung zwingend erforderlich. Hierzu gab es bereits erste Abstimmungen innerhalb der Stadtverwaltung in Form eines Workshops am 27.04.17. Des Weiteren wurden die Ergebnisse des Workshops am 07.07.17 dem Planungs- und Gestaltungsbeirat der Hansestadt vorgestellt, welcher Empfehlungen zum weiteren Vorgehen formulierte (siehe Anlage 2). Wir empfehlen für die weitere Vorgehensweise den Empfehlungen des Planungs- und Gestaltungsbeirates zu folgen.

Aus städtebaulicher Sicht ist die Einordnung eines untergeordneten Kubus mit reiner Ausstellungsnutzung im Park vorstellbar. Dabei dürfen die Hauptwegebeziehungen und die Hauptsichtachsen von und zur Kunsthalle jedoch nicht verstellt oder beeinträchtigt werden. Die öffentliche Nutzung „Park“ ist dauerhaft unbedingt zu sichern.

Ein Neubau ist dabei nur als reine Ausstellungsfläche zu konzipieren, weitere Nutzungen wie Gastronomie und ähnliches sollten sich auch weiterhin auf die Kunsthalle beschränken.

Folgekosten:

 

Für die Schaffung von Baurecht ist ein Bebauungsplan notwendig.

 

Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege (Amt 67):

 

Das Amt 67 begrüßt grundsätzlich die Einordnung eines zusätzlichen Baukörpers zur dauerhaften Präsentation der o.g. Ausstellung im denkmalgeschützten Schwanenteichpark.

In allen bisherigen Abstimmungen und  Erörterungen wurde dieser Standpunkt  vertreten.

Die im Begründungstext des Antrages formulierten Bedenken in Bezug auf mögliche Beeinträchtigungen der bisherigen Nutzungen des Parks  (Erholung, Spiel, Veranstaltungen)  werden durch das Amt 67 nicht geteilt. Die Einordnung einer weiteren, in funktionaler und gestalterischer Verbindung zum Kunsthallenkomplex stehenden Baulichkeit wird nach Auffassung des Amtes 67 zu einer weiteren Nutzungsvielfalt für Parkbesucher und Anwohner des Ortsteiles führen.

Wesentliche Voraussetzung für die Einordnung bildet jedoch ein qualifizierter Planungs-prozess, der mit  Durchführung eines Wettbewerbes (Standortfindung und Architekturqualität/Empfehlung Gestaltungsbeirat) und anschließender ‚Baurechtsschaffung‘ (B-Plan) alle Belange in Bezug auf den Denkmalschutzstatus, die naturschutzrechtlichen Belange und die Funktions-/Nutzungsvielfalt des Parks beachtet.

Fazit

Das Amt 67 empfiehlt, den Beschlussvorschlag abzulehnen und über eine Änderung des Antrages oben formulierten Verfahrensweg durch die Bürgerschaft beschließen zu lassen.

 


 

Roland Methling

 


Anlage/n:

Anlage 1 – Auszug Flächennutzungsplan 2009

Anlage 2 – Protokollauszug aus der Sitzung des Planungs- und Gestaltungsbeirates 07.07.2017

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 (wie Dokument) Anlage 1 - Auszug Flächennutzungsplan 2009 (134 KB)    
Anlage 2 2 (wie Dokument) Anlage 2 - Protokollauszug Planungs- und Gestaltungsbeirat 07.07.2017 (688 KB)