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Vorlage - 2017/AN/2460-01 (SN)  

 
 
Betreff: Fachkonzept Sozialraumorientierung
Status:öffentlichVorlage-Art:Stellungnahme
fed. Senator/-in:S 3, Steffen BockhahnBezüglich:
2017/AN/2460
Federführend:Amt für Jugend, Soziales und Asyl   
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Kenntnisnahme
21.02.2017 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses      

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Die Verwaltung begrüßt den Auftrag zur Erarbeitung des Fachkonzeptes Sozialraum-orientierung auf der Basis des Positionspapieres der Planungsgruppe Sozialraum-orientierung (PG 1) ausdrücklich. Sie war zudem an der Erarbeitung des Positionspapieres über die Mitgliedschaft in der Planungsgruppe Sozialraumorientierung beteiligt.

 

Nach eingehender Prüfung teilt die Verwaltung nicht die im Antrag formulierte Auffassung, dass die Erstellung eines Fachkonzeptes Sozialraumorientierung kostenneutral erfolgen kann.

 

 

Fachliche Begründung

 

Bezugnehmend auf die im Positionspapier formulierten Thesen und diesen zustimmend,  erwartet die Verwaltung mit der Erarbeitung, Umsetzung und fortlaufenden Qualifizierung eines Fachkonzeptes Sozialraumorientierung eine Verbesserung der Entwicklungs- und Lebensbedingungen junger Menschen und ihrer Familien bei gleichzeitigem schonenden Umgang mit Ressourcen.

 

Die Kinder- und Jugendhilfe der Hansestadt Rostock ist gegenwärtig gekennzeichnet durch verschiedenste Bemühungen sozialraumorientierter Arbeit. Jedoch fehlt es an der ganzheitlichen Anwendung und Umsetzung der Prinzipien der Sozialraumorientierung. Sozialraumorientierung knüpft konsequent am artikulierten Willen der Menschen an und versetzt sie dabei in die Lage, aktiv und selbstbestimmt Veränderungen herbeizuführen. Dabei wird auf die Ressourcen des Einzelnen, des ihm umgebenden sozialen Systems und des Sozialraums zurückgegriffen. Netzwerkarbeit und Kooperationen ermöglichen eine passgenaue Unterstützung des Einzelnen als auch eine positiv und nachhaltig wirkende Veränderung im Sozialraum.

 

Sozialraumorientierung ist Bestandteil der „Ziele der Jugendhilfe der Hansestadt Rostock 2016 – 2020“ und leitet sich aus verschiedenen Normativen des SGB VIII ab. Sozialraum-orientierung ist keine Theorie, sondern ein Bekenntnis zur Demokratie und Bürgerbe-teiligung.

 

Hinweise, Ergänzungen, Herausforderungen und fiskalische Auswirkungen

 

Ein Fachkonzept Sozialraumorientierung muss:

  • die strategische und operative Ebene in den Blick nehmen und Aussagen zu den Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualitäten machen,
  • die Veränderung der bestehenden Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe aufzeigen und
  • die „Rostocker Bedingungen“ (Erhalt der Pluralität der Trägerlandschaft, Erfahrungen mit Elementen der SRO, Erhalt der Angebotsvielfalt) berücksichtigen.

 

Die Erarbeitung eines Fachkonzeptes Sozialraumorientierung setzt ausreichende personelle, sächliche und finanzielle Ressourcen voraus. Die Verwaltung schätzt ein, dass die aktuell vorhandenen Ressourcen nicht ausreichen, um das Fachkonzept Sozialraumorientierung zeitnah und in hoher Güte umzusetzen.

 

Strategie der Umsetzung, erste Schritte, Meilensteine etc.

 

Die Verwaltung empfiehlt die Einrichtung einer paritätisch besetzten Steuerungsgruppe, bestehend aus dem Amtsleiter und weiteren Vertretern des Amtes, Geschäftsführern der Leistungsträger, wissenschaftlicher Expertise und externer Projektberatung.  Die Planungs-gruppe Sozialraumorientierung sollte als legitimiertes Fachgremium im Rahmen der Jugendhilfeplanung der Hansestadt Rostock in der Funktion eines Beirats in kontinuierlicher Begleitung für den weiteren Prozess fungieren.

 

Die Verwaltung prüft derzeit die Möglichkeit der Antragstellung als Modellprojekt des Landes Mecklenburg–Vorpommern zur Umsetzung der Sozialraumorientierung zu fungieren. Dazu sind bereits Gespräche mit dem Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern vereinbart.

 

Neben der wissenschaftlichen Begleitung des Prozesses regt die Verwaltung die zusätzliche Schaffung von 2 Personalstellen an, jeweils eine Stelle in der Verwaltung und beim Leistungsträger, um das Fachkonzept Sozialraumorientierung von Beginn an im dialogischen Miteinander in der Jugendhilfe der Hansestadt Rostock zu verankern. Dabei sollte der Schwerpunkt auf die Bereiche Hilfen zur Erziehung und Leistungen der Jugend- und Jugendsozialarbeit sowie Eltern- und Familienbildung gesetzt werden.

 

Nach der Erarbeitung des Fachkonzeptes Sozialraumorientierung bis zum III. Quartal 2018 erfolgt im Anschluss die Erprobung von sozialräumlicher Arbeit in einer, im Fachkonzept festgelegten, budgetierten Modellregion bis zum III. Quartal 2020. Eine Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse, nach Beschluss des Jugendhilfeausschusses, wäre somit ab dem Jahre 2021 auf die gesamte Hansestadt Rostock möglich.

 

Einen wesentlichen Baustein zum Gelingen des Prozesses wird die gemeinsame Fortbildung aller Ebenen der Verwaltung und Leistungsträger zum Thema Sozialraumorientierung darstellen sowie auch die Hospitation und Praktika in Kommunen, welche Sozialraum-orientierung implementiert haben.

 

In Vertretung

 

 

                                                                                   

Holger Matthäus                                                       

Senator für Bau und Umwelt